Seeschlachten
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Seeschlachten

Osmanli deniz kuvvetleri

Zeittafel

1390

Gründung Marinearsenal in Gelibolu

1416

Seeniederlage bei Gelibolu

1453

Schiffe im Goldenen Horn

1470

Marine Sieg auf Euböa

1475

Maritime Siege bei Azow und Kaffa

1480

Niederlage auf Rhodos

1522

Eroberung von Rhodos

1538

Seesieg bei Preveza

1543

Maritime Belagerung von Nizza

1548

Maritime Eroberung Aden

1565

Belagerung von Malta

1570/71

Maritimer Sieg auf Zypern

1571

Niederlage bei Lepanto

1645

Maritimer Sieg auf Kreta

1770

Niederlage bei Cesme

1827

Niederlage bei Navarino

1853

Niederlage bei Sinope

1909

Aufbau einer modernen Flotte

Kriegshafen Istinye bei Istanbul

1918

Ende der osmanischen Flotte

Osmanische Marineuniformen 16-20. Jh.

Marine Janitschar 16.Jh.

Marine Officier 19.Jh.

Matrose 1914

Marine Officier 20.Jh.

Korsaren

1501

Angriff Kemal Reis auf Pianosa

1508

Plünderung der ligurieschen und apulischen Küste

1534

Raubzug bis zur Tibermündung

1547

Dragut plündert die spanische Küste

1565

Dragut belagert Malta

1574

Eroberung von Tunis

1602

Die Malteser erobern Hammamet

1622

Briten beschießen Algier

1631

Murad Reis plündert die Südküste von Irland

1646

Tommaso Morosini greift die Dardanellen an

1649

Niederlage bei Foca

1650

Barbaresken-Korsaren im Bristol-Kanal

1816

Briten beschießen Algier

1825

Zerstörung der Korsarenflotte in Tripolis

1827

Zerstörung der Korsarenflotte in Tunis

1829

Zerstörung der Korsarenflotte von Marroko

1830

Algerien wird Französisch

1881

Tunesien wird Französisch

1911

Libyen wird Italienisch

Geschichten, Schiffstypen und Seeschlachten. Vom Beginn bis zum Ende der osmanischen Marine.

Obwohl die eigentliche Stärke der islamischen Staaten rund um das Mittel- meer bei den beritten Landstreitkräfte lag, spielte das Marinewesen einen nicht zu unterschätzenden Faktor. Vielleicht oder gerade durch die militär- ische Nutzung des Wissen der Mittelmeerbewohner die auf ein langes Seewesen seit der Antike zurückschauten. Betrachten wir das Römische Reich in der Spätantike so erkennen wir das nicht der Landhandel Reich- tum und politische Macht erzeugten, sondern die Beherrschung der See- handelsrouten und Handelszentren war der eigentliche wirtschaftliche Rückhalt des römischen Imperium. Mit dem Zusammenbruch der Schiff- fahrtsruten verlor auch der Seehandel seinen Einfluss und es begann die Zersplitterung der Mittelmeerwelt. Dennoch gelang es einigen Staaten, einen profitablen Seehandel aufzubauen, insbesondere die italienischen Seerepubliken wie Venedig und Genua. Andere Staaten oder Gebiete bereicherten sich an der Seeräuberei, gerade der führenden Seemächte. Aus dieser Seeräuberei entstammte auch der Kern der osmanischen Flotte, da es nicht Sache der türkischen Stammeskrieger war auf See zu kämpfen. Insbesondere die tolerante religiöse, aber auch politische Haltung der Sultane im 15.Jh. gepaart mit dem Sinn für effektive Entwicklungen im Bereich moderen Waffentechnik erlaubten es den Osmanen, diejenigen Spezialisten in ihren eroberten Gebieten zu finden welche Aussicht hatten, auch auf See erfolgreich zu sein. Anfangs erfolgte die Befehlsstruktur und Taktik gleichsam einer Landstreitmacht, so war man ja an Land bisher

Rechts:         Osmanische Galeeren im Seegefecht 16 Jh.

erfolgreich, doch man löste sich bald von der Gleichheit der Waffen- gattungen und hatte damit Erfolg. Mehmed II schaffte es bei der Belagerung von Konstantinopel nicht die Stadt von der Seeversorgung abzuschneiden. Erst sein genialer Einfall die Schiffe vom Bosporus ins Goldene Horn zu schleppen brachte den erhofften Erfolg. Dennoch war es keine maritime, sondern eine Land- strategie, die die Belagerten zur Ver- längerung und damit Ausdünnung ihrer Linien zwang. Mehmed II setzte die Flotte als Transportmittel ein, nicht aber als selbständiger Heeresteil. Erst sein Enkel Selim I erkannte die Eigenständigkeit der Flotte und löste die Taktik der Flotte aus den türkischen Vorstellungen, in dem er Rene- gaten zu kommandierenden Befehlshabern ernannte und die osmanische Marine blühte auf.

Die Seeschlacht von Prevesa 1538

Oben: Die Amerikakarte von  des Piri Reis vom Anfang des 16 Jh..                                       Die Osmanen waren zu Anfang des 16 Jh. kartentechnisch auf der Höhe ihrer Zeit. Dennoch lag es nicht in ihrem Interesse andere Welten zu Endecken oder Gebiete ausserhalb des Mittelmeeres zu bereisen. Selbst den Seehandel Überliesen sie Levan- tinern oder italienischen Händlern.

Oben: Osmanisches Transportschiff im 15 Jh.  Unten: Prevesa am 27/28. September 1538

Im Sommer 1537 kam es erneut zu einem Krieg zwischen Venedig und dem Osmanischen Reich. Die Kampfhand- lungen begannen mit dem Angriff auf die Insel Korfu am 25. August 1537. Bedingt durch unzureichende Truppen und schlechtem Wetter wurde die Belagerung am 14. September abgebrochen. Dennoch gingen die Kämpfe im Archipelagus weiter. Begrenzte Land- und Seestreitkräfte eroberten die Inseln Syra, Stamalia, Pathmos und Naxos. Venedig hatte inzwischen eine Liga zwischen Papst und Karl V, geschlos- sen die eine maritime Vereinigung der Flotten vorsah. Im Sommer sammelten sich 81 venezianische, 13 päpstliche und  30 spanische Galeeren, also 124 Kampfschiffe und einige kleiner Versorgungsschiffe bei Korfu.

Auf osmanischer Seite zog Hayreddin Barbarossa teile der osmanischen Flotte und seine Piratenkontingente zusammen. Zur Versorgung wählte er Prevesa, dass am Eingang zum Golf von Ambrakikos liegt. Zögerlich segelten die christlichen Schiffe der Liga von Korfu nach Süden und stiessen am 27. September auf die Vorhuten der osmanischen Flotte. Nach kurzem Gefecht zog man sich zurück und wartetet auf den nächsten Tag. Am 28. September stellten sich die christlichen Kampfschiffe vor Prevesa in eine Reihe auf und begannen den Angriff unter Gianandrea Doria.

Oben: Seesieg von Prevesa 1538

 Die zahlenmässig unterlegene Flotte von zirka 110 osmanischen Kampfschiffen durchbrach die dünne Line, trennte die uneinigen Einheiten und kaperten die ersten christlichen Schiffe. Aus Angst vor einem weiteren materiellen Verlust an Schiffen zog sich Gianandreas Doria zurück und lies die Venezianer zurück. Unter dem Verlust von zirka 6 Kampfschiffen flohen die Venezianer in Richtung Korfu und Doria in Richtung italienischer Küste. Diesen Seesieg nützte Hayraddin zur Eroberung weiter Inseln aus und führte zum Siegfrieden am 02. Oktober 1540. Der Nimbus der Unbesiegbarkeit der osmanischen Flotte hatten seinen höchsten Ruf erlangt.

Die Überwinterung der osmanischen Flotte in Toulon 1543/44

Mit dem Seesieg von Prevesa stand das Mittelmeer den Osmanen offen. Der neue maritime Verbündete hieß Franz I König von Frankreich. Im Juni 1543 sammelte Hayreddin erneut seine Flotte von zirka 110 Schiffen und vereinigt sich mit der französischen Mittelmeerflotte von 50 Kampf- schiffen. Am 22. August besetzten die verbündeten die Stadt Nizza, aber ohne die Festung zu erobern. Daraufhin brach man die Belagerung im September ab und die osmanische Flotte überwinterte in der von der Bevölker- ung zum grösstenteils geräumten Stadt Toulon.

Oben: Osmanische Galeeren in Toulon

Schlecht mit Verpflegung und militärischen Nachschub versorgt brach man im Frühjahr 1544 aus Toulon auf, plünderte noch die eine oder andere Küste und kehrte im Herbst nach Konstantinopel zurück. Es war das einzige Mal, dass Franzosen und Osmanen verbündet kämpften ab dennoch der Beginn einer langen Freundschaft zwischen beiden Reichen.

Die Seeschlacht von Lepanto 1571

Nach jahrelangem Kleinkrieg im Mittelmeer mit Venedig war es Sultan Selim II (1566 -1574) der den endgültigen Bruch mit Venedig wollte und im Juli 1570 seine Flotte nach Zypern schickte. Dennoch konnten, durch die Jahreszeit bedingt, die Truppen keinen Sieg auf der Insel vermeldeten und es dauerte bis zum Frühling bis die Osmanen erneut die Initiative ergriffen.

Oben: Seeschlacht bei Lepanto (Dogenpalast Venedig)

Am 01. August 1571 eroberten die Osmanen nach 11 monatlicher Belagerung die venezianische Hafenstadt und Festung Famagusta. Lala Mustafa Pascha gelang es danach, den Rest der Insel zu erobern und Zypern dem Osmanischen Reich einzugliedern. Mit Zypern wurde der letzte christliche Vorposten im östlichen Mittelmeer ausgeschaltet und die Herrschaft für Jahrhunderte gesichert. Dennoch war der Verlust der Insel für Venedig der Grund, eine neue und umfangreiche Liga zu See zu schliessen um dem Vordringen der Osmanen Einhalt zu gebieten. Am 25. Mai 1571 einigten sich die Mächte Spanien, Venedig, der Papst und die Malteser zu einem grossen Flottenunternehmen, einem Unternehmen das als grösste Galeerenschlacht in die Geschichte eingehen sollte. Durch die Spionage an den europäischen Höfen erfuhren die Osmanen bald von der Bildung einer christlichen Flotte auf der Höhe der Insel Korfu. Die Osmanen entsendeten ihre Flotte, bis auf die Versorgungs- und Begleitschiffe der Belagerungstruppen auf Zypern. Am frühen Mittag den 07. Oktober 1571 trafen sich die

Oben: Galeeren und Gelasen im 16 Jh.

beiden Flotten bei Lepanto. Fast 400 Kampfschiffe und 100 Versorgungschiffe mit zirka 100.000 Mann eröffneten die Schlacht. Ali Pascha stellte seine 208 Galeeren im Halbmond auf als er die christlichen Schiffe der Liga vor sich sah. Der rechte Flügel übernahm Mehmed Scirocco Pascha mit 56 Galeeren aus Ägypten und Palästina. In der Mitte griff der Kapudan Pascha mit 90 Schiffen der osmanischen Kernflotte selbst an. Am linken Flügel stand Ochiali Pascha mit den Piratenschiffen aus den Barba- reskenstaaten. Das Zentrum der Liga bildeten die 64 päpstlichen, neapolitanischen und spanischen Schiffe, 

angeführt vom spanischen Admiral Don Juan d`Austia und dem venezianischen Kommandanten Sebastiano Veniers. Dahinter lag die spanische Reserve von 30 Schiffen und mehr als 30 Versorgungschiffe unter dem Markgraf Santa Croce. Am linken Flügel lagen 63 venezianischen Schiffe unter Agostino Barbarigio dem Bruder des Festungskomandanten von Famagusta. Rechts standen 50 genuesische und malteser Schiffe unter dem Befehl von Gianandrea Doria. Vor den drei Hauptkampfblöcken wurden die hochbordigen mit Kanonen und Schützen bestückten Galeassen gezogen die im Kampf eine ungeheuerliche Feuerkraft entfalteten und verhäng- nisvoll für die Osmanen waren. Nach mehr als drei Stunden äussersten Kampfes waren beide osmanischen Admiräle gefallen und 25. 000 Tsd. Tode auf osmanischer Seite zu beklagen. 180 Kampfschiffe fielen den Siegern in die Hände und mehr als 10.000 Tsd. befreite Rudersklaven. Nur Ochiali Pascha konnte mit 13 Kampfschiffen und einigen Versorgungschiffen entweichen und zirka 10.000 Männer erreichten die osmanische Festung Lepanto. Der Sieg für die Liga war überwältigend und dennoch hatten sie mehr als 7.000 Tode und 12 gesun- kenen Kampfschiffe zu beklagen und der Rest war angeschlagen und unfähig den Sieg zu nutzen. Ein Jahr später war Ochiali Pascha Kapudan Pascha über eine neue osmanische Flotte. Die Sieger von Lepanto aber verloren den Krieg. Die Venezianer unterzeichneten am 07. März 1573 den Frieden und Spanien verlor durch die neue osmanische Flotte und der Landung der Osmanen in Tunesien am 24. August 1574 Tunis. Die “Heilige Liga” hatte aufgehört den Osmanen zu trotzen. Dennoch war die Schlacht von Lepanto das Ende der grossen See- schlachten im Mittelmeer. Im Norden Europas, in England und den Niederlanden entstanden die neuen modernen Schiffstypen und die neue Seemacht Grossbritannien.

Piraten, Freibeuter und Barbareskenstaaten

Im Spätmittelalter kristallisierte sich eine Kultur der Seeräuberei heraus, die eine Mischung aus reli- giösen, kulturellen und ideologischen Gegensätze zwischen dem Islam und dem Christentum wider- spiegelte. Dennoch waren die Grenzen fliessend, und die Propaganda des Schreckens auf beiden Seiten verurteilte die jeweils andere Seite auf schärfste. Dabei waren der Status der Sklaverei in beiden Welt legitim. Insbesondere auf den Galeeren wurden

Oben: Osmanische Prunkschaluppen 17./18.Jh

 die Ruderer als persönliche Ware gehandelt. Einer der wenigen Unterschiede war, dass auf christlicher Seite auch Verbrecher und sonstige unliebsame Personen Dienst taten und oftmals durch das Brandeisen gekenn- zeichnet wurden. Auf islamischer Seite handelte es sich bis auf wenige Ausnahmen um Kriegsgefangene. Die Ära der Rudersklaven endete erst im 18.Jh. mit dem Ende der Galeeren.  Die islamischen Gebiete Nordafrikas beherbergten die Seeräuberstädte wie Algier, Oran, Tunis oder Tripolis. Da das berberische hier die vorher- rschende Sprache war, entstand der Begriff der Barbarei bzw. der Barbareskenstaaten. Diese Gebiete erblühten in ihrem Seeräubergeschäft nach der formalen Unterstellung in das Osmanische Reich und konnten ihre tatsäch- liche Unabhängigkeit bis Anfang des 19.Jh. behaupten. In den christlichen Ländern sprach man ungern von Piraten sondern prägte den Begriff der “Freibeuter”, also Piraten die im Dienste eines Staates standen. 

Oben: Ägäistyp Saccoleva 17./18.Jh.

Die erfolgreichsten Piraten oder Freibeuter auf christlicher Seite waren die Malteserritter auf Malta. Die Eroberung eines malteser Kampfschiffes war der höchste Kriegsruhm aller muslimischer Seeräuber oder osmanischer Kapitäne. Oftmals waren die Kaper- fahrten im Auftrag islamischer oder christlicher Handelshäuser, die den Sold und das Schiff stellten und sich einen erfahrenen Kapitän leisteten um höchsten Gewinn aus der Beute von Raub- zügen auf See oder an den Küstengebieten zu erlangen. Gerade die osmanische Politik bediente sich dieser Taktik zur Verun- sicherung ihres Gegners und so wundert es nicht, dass die grossen osmanischen Flottenkommandeure aus der Reihe dieser fähigen Kaperkapitäne sich rekrutierte. Dazu kam, dass sogar einige der Kapitäne konvergierte Christen (Renegaten) waren und deshalb ihren Gegner genau kannten.

Rusland und die osmanische Flotte im 18./ 19.Jh.

Zar Peter der Große erkannte Ende des 17.Jh. die Notwendig- keit einer eigenen modernen Flotte. Mit der Expansion Ruß- lands folgte auch die maritime Auseinandersetzung im Mittel- meer und im schwarzen Meer. 1768 erklärte das Osmanische Reich Rußland den Krieg. Die russische Kriegsführung wollte erstmal ihre baltische Flotte einsetzen. Im Frühjahr 1770 passierte die russische Flotte Gibraltar und erreichte im April die griechische Inselwelt. Im Juli stellte Admiral Alexis Orlow die osmanische Flotte im Meeresbusen von Cesme.

Oben: Der Untergang der osmanischen Flotte im Mittelmeer bei Cesme 1770

In der daraufhin folgenden Beschießung durch Brandgeschosse wurde die geflüchtete Flotte bestehend aus 18 Linienschiffen und 4 Fregatten vollständig vernichtet. Nur die starke osmanische Artillerie an den Dardanellen hinderte die russische Flotte am Erscheinen in Istanbul. Diese Niederlage brachte die Einsicht, eine neue Flotte nach europäischem Vorbild aufzubauen und so wurde 1773 in Istanbul die erste osmanische Seekriegsschule gegründet und eine neue Flotte aufgebaut, die insbesondere durch die moderne äyptische Flotte Anfang des 19.Jh. im Mittelmeer millitärische Erfolge aufweisen konnte bis zu dem Zeitpunkt der griechischen Unruhen im Jahre 1827. Aufgrund den Bestrebungen Rußlands war der griechische Unabhängigkeitskrieg ausgebrochen und die osmanischen Streiträfte konnten trotz großer brutalität die aufständischen Gebiete nicht befrieden. Erst der Einsatz einer kleinen aber moderen Armee unter dem ägyptischen Oberkommandierenden Ibrahim Pascha, dem Sohn des qusi unabhängigen Mehemed Ali in Ägypten, galang es rasch, den Aufstand niederzukämpfen. Dabei spielte die ägytisch-osmanische Flotte eine entscheidende Rolle. Dennoch verlor das Osmanische Reich den Kampf um die Morea am Verhandlungstisch mit den europäischen Schutzmächten Frankreich, England und vor allem Rußland. Rußlands Diplomatie war es gelungen eine aus allen drei Ländern bestehende Flotte nach Griechenland zu senden, um die Kämpfe auf der Morea zu beenden. Beide Flotten sammelten sich bei Navarino.

Oben: Der Golf von Navarino 1827

In Navarino lag die Flotte unter dem osmanischen Kapudan Pascha Tagir Pascha und dem ägyptischen Kapitän Muk- harem Bey. Die Flotte verfügte über 3 moderne Linien- schiffe, 4 grossen und 19 kleineren Fregatten, 42 Korvetten sowie 15 Briggs und zirka 50 Versorgungsschiffen. Die ver- bündete Flotte bestand aus 6 englischen Linienschiffen unter der Leitung von Vizeadmiral Edward Codrington, den 5 französischen Linienschiffen unter dem Befehl von Vize- admiral Henri de Rigny sowie der russischen Flotte beste- hend aus 4 Linienschiffen, 4 Fregatten und 5 kleineren Versorgungsboote unter der Leitung von Admiral Login Geiden. Während die vereinte ägyptisch-osmanische Flotte unter dem Oberbefehl von Ibrahim Pascha strikt jede

feindliche Provokation unterließ, reizte Codrington die osmanischen Kapitäne und provozierte einen militärisch- en Zwischenfall der ihm als Oberkommandierenden der vereinten Flotte die Möglichkeit gab, ohne Kriegser- klärung das Feuer auf die ägyptisch-osmanische Flotte zu eröffnen. Diese Überraschung führte zu einer schwe- ren Niederlage und zur größtenteils Zerstörung der Flotte am 20. Oktober 1827 im Golf von Navarino. Mit der Vernichtung der wichtigen Flotte, gingen die Unruhen in Griechenland weiter und Rußland eröffnete den Krieg 1828 bis zum Frieden von Edirne am 14. September 1829. In der anschliessenden Londoner Konferenz wurde die Unabhängigkeit Griechenlands am 03. Februar 1830 ausgesprochen.

Wieder begann ein Aufbau der Flotte und man schickte nun die Marineoffiziere zur Ausbildung nach Europa, vor allem England und Frankreich. Damit konnten erfolgreich neue Linienschiffe aus England bemannt werden. Mittlerweile war es Rußland gelungen, eine eigene Schwarzmeerflotte aufzubauen, die 1853 ihre erste Feuertaufe erhalten sollte. Wiederum provozierte Rußland einen Krieg gegen das Osmanische Reich und versuchte sofort die osmanische Flotte im Schwarzenmeer auszuschalten. Am 30. Oktober 1853 wurde die geflüchtete osmanische Schwarzmeer Flotte im Hafen von Sinope gesichtet und in einem kurzen Gefecht vollständig vernichtet. Dennoch führte der Sieg zum Umschwung der öffentlichen Meinung in England und Frankreich und, da man seine Interessen durch Rußland im Mittelmeer gefährdet sah, sendete man eine französisch-englische Flotte ins Schwarzemeer. Am 12. September 1854 landeten die ersten alliierten Truppen auf der Krim, der Krimkrieg 1854-1856 hatte begonnen.

Vom Aufbau in den Ersten Weltkrieg

Oben: Admiralsschiff um 1840

Wieder machte man sich an den Aufbau einer neuen, aber diesel Mal erfolgreicheren, Flotte. Eine neue Marineschule wurde gegründet und das Meeresbecken bei Istinye wurde als neuer Kriegshafen für die Flotte ausgebaut. Die organisatorische Leitung lag in den Händen britischer Berater. Die Briten hatten zuvor die russischen Flotte erfolgreich aufgebaut. Dennoch war nicht der militärische Erfolg Ziel der Briten, sondern vor allem der Verkauf neuer und moderner Schiffstypen. So erfolgte zwar ab 1909 ein grosses Flotten- bauprogramm, aber die Mannschaften und Offiziere wurden nicht in der tatsächlichen Handhabung geschult. So fand die Deutsche Mittelmeerdivision (MMD), die ab August 1914 die osmanische Flotte zur Beratung übernahm, zwar einige gute und notwendige Schiffe vor, die Bedienung dergleichen ermangelte aber jeder Dauerhaftigkeit und musste bis zum Eintritt des Osmanischen Reiches in den Ersten Weltkrieg an der Seite des Deut- schen Kaiserreiches und Österreich-Ungarn erst erlernt werden. Neben einigen schon vorhandenen Schiffen, die in Deutschland gebaut wurden, kamen noch während des

Oben: Mariene- minister Hasan Pascha 1897

Krieges einige wichtige Kanonenboote und Minenleger dazu. Da zwei Grossauf- träge über Kampfschiffe zum Beginn des Krieges noch in Großbritanien auf Reede lagen wurde der deutsche grosse Kreuzer Goben (Yavuz Sultan Selim) als Flaggschiff der osmanischen Flotte überstellt, zusammen mit seinem Begleit- schiff dem kleinen Kreuzer Breslau (Midilli), die sich beide zu Beginn des Krieges  nach Konstantinopel vor den Briten retten konnten.

Der Seemienenkrieg in den Dardanellen (Canakkale) 1915

Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges bat Rußland seine Alliiertem um Unter- stützung gegen das Osmanische Reich.

Oben: Osmanischer Kriegshafen Istinye am Bosporus

Quelle: Langensiepen, B./Nottelmann, D./Krüsmann, J.: Halbmond und Kaiseradler. Goeben und Breslau am Bosporus 1914-1918, Ham- burg 1999 mit freundlicher Genehmigung (c) Langensiepen

 Daraufhin plante man im Januar 1915 in London, in Istanbul einzulaufen, nach dem man die Dardanellen durch ein Flottenunternehmen mit Unterstützung eines Expeditionskorps überwunden haben würde. Am 19. Februar 1915 begannen die vereinigten Kampfschiffe der britisch-französischen Flotte mit der Beschiessung der Verteidungswerke an den Dardanellen. Nach zirka einem Monat intensiver Beschiessung und Räumung von Seemienen entschloß sich der Oberkommandierende Sir Ian Hamilton am 18. März 1915 den Durchbruch zu wagen. Die Dardanellenverteidigung auf osmanischer Seite übernahm, nach Absprache mit dem MMD,  der deutsche Admiral Guido von Usdom unterstützt durch Oberst Djevad Bey. Da schon vor dem Krieg mit einen Durchbruchversuch bei einem eventuellen Krieg gerechnet wurde, war die Verteidigung schon ziemlich aus- reichend aufgebaut worden. Anfang Oktober 1914 hatte man schon mit der Vermienung des Seeweges begonnen so konnte man in Ruhe die restlichen Seeminen, wie sich später herausstellen sollte vom Feind unbemerkt, bis zum Hauptangriff der alliierten Flotte auslegen.

“Sechs große englische Schlacht- schiffe, darunter die Queen Elisabeth mit ihren 38 cm Geschützen, nehmen um etwa 11.30 vormittags, zunächst ausserhalb der Reichweite der Forts bleibend, die Verteidigungsanlagen bei Tschanak und Kap Kephes unter Feuer. ... Kurz nach 12.00 passiert das französische Geschwader, aus vier Schlachtschiffen bestehend, die Linie der feuernden englischen Kriegs- schiffe und nimmt die Werke auf nähere Entfernung unter Feuer. Auch die sechs englischen Kriegsschiffe gehen allmählich näher an ihre Ziele Heran. Ein ungeheurer Artilleriekampf hebt an; die Festungsartillerie bleibt die Antwort nicht schuldig. Die Schlacht erreicht ihren Höhepunkt. ...Gegen 02.00 nachmittags lässt der Höllenlärm nach; das Feuer aus den Werken wird schwächer, schon glaubt der Feind nahe am Ziel zu sein und die Werke niedergekämpft zu haben. Das französische Geschwader,

das stark zerschossen ist, wird zurückgerufen; ein drittes, bisher zurückgehaltenes Geschwader von sechs älteren englischen Schlachtschiffen, das mittlerweile angelaufen ist, tritt an die Stelle der Franzosen und setzt das Zerstörungswerk fort. Die Schlacht steht anscheinend für den Angreifer günstig. .... Da tritt ein Rückschlag ein. Kurz vor 02.00 ertönt eine gewaltige Entladung; aller Augen richten sich auf das französische Schlachtschiff “Bouvet”, aus dem riesige Rauchwolken emporsteigen. Freund und Feind sehen, wie das mächtige Schiff sich zur Seite neigt und innerhalb zweier Minuten kentert, fast die ganze Besatzung von 600 Mann mit sich in die Tiefe ziehend. .... “Inflexible, das stärkste Schiff nächst der “Queen Elisabeth, meldet kurz nach 04.00 nachmittags einen Minentreffer. Das Schiff bekommt Schlagseite, doch gelingt es ihm, mit eigener Kraft aus der Feuerlinie zu kom- men und sichere Gewässer zu erreichen. Wenige Minuten später trifft eine gleiche Unglücksbotschaft von “Irre- sistible” ein. .... Auch während der Loslösung trifft noch ein Schiffsverlust ein; bei dem Versuch, “Irresistible” ins Schlepptau zu nehmen, läuft “Ocean” gleichfalls auf eine Mine. ... Gegen Abend treibt es steuerlos mit der Strömung und sinkt in der Nacht in der Höhe von Troja. Die übrigbleibenden neun englischen Kriegsschiffe ver- lassen in schneller Fahrt das ihnen so verhängnisvoll gewordene Schlachtfeld und verschwinden in westlicher Richtung. Der 18 März war somit ein großer Sieges- und Ruhmestag für die Dardanellenverteidigung. Von 18 feindlichen Schiffen schieden 6 ganz oder für längere Zeit aus; ein Drittel seiner Gefechtskraft hatte der Feind verloren.” ( Zitiert nach: Der Kampf um die Dardanellen in: Schlachten des Weltkrieges Bd. 16, Berlin 1927)

Noch einmal gelang der osmanisch-deutschen Flotte ein maritimer Erfolg. Nach der britischen Landung im Bereich der Morto-Bucht am 25. April 1915 lagerten dort Linienschiffe, die ungehindert mit ihren Geschützen die osmanischen Linien beschossen. Am 12. Mai lief der Zerstörer MUAVENET im  Schutze der beginnenden Dunkelheit in Richtung englisches Geschwader. Von drei Torpedos getroffen sank das englische Linienschiff “Goliath”. Die ebenfalls anwesende “Queen Elisabeth” wurde danach sofort aus den Dardanellen zurück gezogen. Einige Tage später, nämlich am 25. und 27. Mai, wurden die englischen Linienschiffen “Triumph” und “Majestic” von dem deutschen U-Boot 21 versenkt. Somit war der alliierte Traum vom Flottendurchbruch beendet.

Die osmanische-deutsche Flotte 1914-1918                                 (bitte hier anklicken)

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Oben: Das englische Linien- schiff “Irresistible” sinkt nach einen Minentreffer 1915.

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